Hallo au,
gestern hat sich spontan ergeben, dass wir heute nach Bonn fliegen mussten, natürlich mit der EC135

. Natürlich war dafür einiges vorzubereiten. Deshalb konnte ich deine Fragen noch nicht beantworten.
Dazu kommt, dass auch ich nicht der absolute Hubschrauber Flugmechaniker bin und das eine oder andere auch nochmal nachlesen muss.
Grundsätzlich gibt es ein paar Dinge, die bei der Hubschraufer Flugmechanik begriffen werden müssen sonst macht man immer wieder Denkfehler. Zwei grundlegende Dinge, die mir spontan einfallen sind:
1. Jedes Rotorblatt hat ein Schlaggelenk, auch wenn man es nicht sieht ist es durch die Elastizität des Blattes gegeben. Wegen des Schlaggelenks funktioniert die zyklische Blattsteuerung
nicht dadurch, dass auf einer Seite mehr Auftrieb erzeugt wird als auf der anderen und somit sich der Hubschrauber neigt,
sondern dadurch, dass sich auf Grund der unterschiedlichen Auftriebe (z.B. links und rechts) die
Rotorebene neigt - und dadurch der Auftriebsvektor schräg steht - und zwar in einer Ebene die bis zu maximal 90° im Umlauf von der Stelle verschoben ist, wo der maximale Anstellwinkel ist (siehe Erregung eines Pendels, die mit 90° Phasenvorlauf zum Schwingungsmaximum erfolgen muss).
2. Dass ein Rotor kein Kreisel ist, weil jedes Blatt ein äußerst komplexes dynamisches Gebilde ist und ein Rotor deshalb kein starrer Körper ist. Es schlägt, bewegt sich also rechtwinklig zur Rotordrehebene dynamisch im Umlauf auf und ab und es schwenkt, bewegt sich also in der Drehebene dynamisch vor und zurück.
Das alles hab ich mir übrigens nicht aus meinen eigenen Fingern gesogen, sondern du kannst es z.B. hier nachlesen:
http://www.w3mh.co.uk/articles/html/csm1_2.htm
http://www.w3mh.co.uk/articles/html/csm3_4.htm
http://www.w3mh.co.uk/articles/html/csm5_6.htm
http://www.w3mh.co.uk/articles/html/csm7_8.htm
au hat geschrieben:
Wenn ich zyklisch (und nicht kollektiv) verstelle, also z.B. der Anstellwinkel vorne am groessten ist, wo entsteht dann eine verstaerkte Auftriebskraft am Blatt? Wenn es vorne und damit stark angestellt ist? Oder erst, wenn es schon um 90° weitergelaufen ist, also phasenverschoben verzoegert?
Hab ich oben schon erklärt: Der maximale Auftrieb entsteht da, wo der Anstellwinkel am größten ist,
aber der Rotor neigt sich in einer Ebene, die um 90° versetzt ist und das steuert den Hubschrauber in die entspr. Richtung.
au hat geschrieben:
Den Phasenwinkel hast Du, wenn ich es richtig verstehe, beschrieben als den Versatzwinkel zwischen dem Punkt, an dem das Blatt staerker angestellt wird und dem Punkt, an dem es durch Schlagen (was vermutlich ohne Schlaggelenke durch Verbiegung des Blatts kommt) seinen hoechsten Punkt erreicht.
Exakt
au hat geschrieben:
Was heisst das fuer die Kraefte/Momente, die auf die Rotorwelle wirken? Waere das Blatt steif, wuerde ich mal vermuten, dass das auf die Rotorwelle wirkende Moment eben auch vorne nach oben zieht, also ein Kippmoment nach hinten einleitet. Tritt das Moment aber erst spaeter auf, weil das Blatt zunaechst das Moment durch Verbiegen aufnimmt, statt es in die Welle einzuleiten, tritt das Moment an der Welle vielleicht erst spaeter auf.
Hab ich im Prinzip oben erklärt. Ein Rotorblatt ist
niemals steif. Wäre es so, wär der Rotor ein Kreisel und ein Hubschrauber ließe sich nicht steuern.
au hat geschrieben:
Und warum kann man den Rotor zumindest bei waagerechter Taumelscheibe nicht mit einem Kreisel vergleichen?
Hab ich auch oben erklärt.