Komische Kurven:
Die Sache ist die: Dein Schirm ist brutal schnell. Auf 1:1 hochgerechnet wäre er wohl fast so schnell wie eine Cessna!
Mächtig schnell jedenfalls. Und selbst als Modell immer noch schnell genug, dass die Aerodynamik sich hier voll beißt. Einerseits bremst der Schirm schon dort ein, wo du nach unten ziehst. Aber andererseits liefert die herabgezogene Kante auch noch Auftrieb bei der hohen Speed. Und um das Maß vollzumachen, wirkt sich nun auch noch der schlechte Hebel aus.
Achja, ich weiß nicht, ob Christian dasselbe meint, aber mir kommt die Streckung zu deiner Geometrie nicht ganz zugehörig vor. Der Schirm müsste breiter sein bei dem stark elliptischen Grundriss. Das ist es vielleicht auch, was Christian mit den kurzen Ohren meinte. Passiert ist das schnell, wenn du beim Zusammennähen jedesmal nur 2-3mm weiter innen abgenäht hast als vorgesehen. Das macht einiges aus.
Kurzum: Du musst langsamer werden und breiter. Denn dann werden die Hebelverhältnisse wieder besser und der Schirm sollte sich ohne seltsame Auswirkungen steuern lassen.
Nochmal steuern: Bei den Seglern braucht man zwingend eine sog. Querruderdifferenzierung, da sich ein Segler ebenso beknackt verhält wie dein Schirmchen zur Zeit. Wenn sich beide Ruder um den gleichen Betrag anstellen (eins nach oben, eins nach unten), neigt sich der Segler zwar schon, aber er giert auch entgegengesetzt, weil die kurvenäußere Flügelspitze gebremst wird, während die Innere quasi Gas gibt. Daher darf man innen ruhig stärker hoch und aussen nur ein bisschen runter. Das tarriert man dann idealerweise so ein, dass der Segler entweder exakt um die Längsachse rollt ohne zu gieren (Kunstflug), oder man dreht noch ein bisschen am Rädchen, so dass der Segler nicht nur rollt, sondern auch in die richtige Richtung eindreht (Thermik/Landung).
Soviel zum Verständnis, warum Querruder nicht gleich Querruder ist.
Bei dir ist es etwas anders, aber auch da kann man tricksen. Im moment ist es so, dass deine Kappe bereits auf Vollgas steht, weswegen ein Nachlassen der kurvenäusseren Leine nichts mehr brächte. Wenn du nun aber die Kappe mal so getrimmt hast, dass der Schirm in Normalstellung un bei 2/3-gas leicht steigt, kannst du zum einen den Speed besser kontrollieren (schneller/langsamer) und du kannst schönere Kurven fliegen. Um das zu tun muss der Schirm eben bereits angestellt sein, so dass du auch etwas nachlassen kannst. Innen (Kurveninnenseite) einziehen, aussen nachlassen.
Es wäre jedoch auch denkbar, dass du generell so steuern musst, wie man ein Flugzeug steuert. Kann schon sein, dass der Staudruck so hoch ist, dass sich dein Pneu eher wie eine Fläche verhält als wie ein Gleitschirm. In dem Fall steuerst du dann eben so. Invertieren und fertig. Hauptsache ist doch, dass er dann fliegt.
